Ich habe vor einiger Zeit bereits einen Artikel darüber geschrieben, wie man sich durch Bilder zum Schreiben von Geschichten inspirieren lassen kann.
Heute soll es um andere Arten der Inspiration gehen, auf die ich bei meiner Arbeit an meinem neuen Roman zum Teil zurückgegriffen habe. Im ersten Teil des Artikels geht es um eine Möglichkeit der Visualisierung.

1. Visualisierung

Kennt ihr das auch? Ihr wollt eine Situation beschreiben, die so unübersichtlich erscheint, dass ihr gar nicht wisst, wie ihr anfangen sollt? In meinem Fall war es eine Kampfszene, die in einem zerstörten Zimmer stattfand. Ich hatte zwar ein Bild vor Augen und wusste, worauf ich hinarbeiten wollte, doch wo sich die Charaktere während der Kampfhandlung befanden, war mir nicht klar. Dadurch fiel es mir schwer die Szene aufzuschreiben.
Eine einfache Technik kann dabei helfen, die Szene zu visualisieren und sich durch den Perspektivwechsel inspirieren zu lassen.

Umsetzung

Um diese Methode zur Visualisierung anzuwenden, benötigst du Spielfiguren aus einem Brettspiel oder Stofftiere, Lego- oder Playmobil-Spielfiguren oder etwas Ähnliches sowie ein paar Blätter Papier (oder wie in meinem Beispiel eine mit Whiteboardmarker beschreibbare Flip-Mat).

Zunächst malst du auf das Papier den Umriss des Raumes auf, in dem die Szene spielt. das kann zum Beispiel ein Zimmer sein, aber auch eine Straße oder was immer dir einfällt. Wichtig ist nur, dass du alle Elemente aufzeichnest, die darin enthalten sind und die sich nicht bewegen.

Ziel dieses ersten Schrittes ist es, dir über die Umgebung klar zu werden, in der die Szene spielt.

Im zweiten Schritt stellst du Platzhalter auf die Flächen, welche die statischen Elemente darstellen. Also z.B. einen Schwamm als Tisch, ein Kartenspiel als Regal oder deinen Stift als umgefallenen Baum. Im Idealfall passt die Größe der Gegenstände zu deinem angelegten Maßstab.

Ziel ist es, dir zu verdeutlichen, wo die Charaktere später eine blockierte Sicht haben o.Ä..

Der dritte Schritt sieht die Platzierung der Charaktere vor. Jetzt kommen die Spielfiguren oder Stofftiere zum Einsatz.
Überlege dir, welche Figur welchen deiner Charaktere symbolisiert, und platziere ihn dort, wo er sich am Anfang der Szene befindet.

Im vierten Schritt schaust du dir die aufgebaute Szene gut an. Am besten aus verschiedenen Blickwinkeln. Was können die Charaktere sehen? Was müssten sie riechen? Gibt es Einflüsse von außen wie Wind oder Wetter? Was nehmen die Charaktere besonders deutlich/nur undeutlich wahr? Wodurch werden sie abgelenkt?

Anschließend bewegst du die Figuren der weiteren Handlung entsprechend durch die Szene und schaust dir jedes Mal an, was sich durch die Bewegung ändert. Welche neuen Möglichkeiten eröffnen sich für die Charaktere? Ist die Bewegung realistisch oder springt Charakter A vielleicht viel zu weit durch den Raum?

Wenn du genug gesehen hast, schreibe die Szene auf. Falls du an einer Stelle nicht weiterkommst, kannst du zurück zu deinem Szenenbild gehen und nachsehen oder die Bewegung der Figuren im Raum ändern.