Besondere Charaktere sind nicht in allen Büchern oder Filmen zu finden, aber wenn doch, machen sie die Handlung zu etwas Außergewöhnlichem. Aber weshalb sind einige Charaktere so genial und andere nur nebensächlich? Weshalb erinnern wir uns an bestimmte Charaktere noch nach Jahren, während wir bei anderen schon nach wenigen Stunden vergessen, wie sie hießen? Dieser Frage bin ich nachgegangen.

Zunächst habe ich Freunde und Kollegen nach ihren Lieblingscharakteren aus Büchern und Filmen gefragt.

Genannt wurden zum Beispiel:

Severus Snape, Roland Deschain, Sherlock Holmes, William von Baskerville, Harrison Wells, James Moriarty, Mable Stark, Hermine Granger, Francis Ackermann Jr., Newt Scamander und Sheldon Cooper.

Anschließend habe ich die Charaktere in Protagonisten und Antagonisten eingeteilt. Bis auf Snape und Ackermann waren alle Charaktere eindeutig zuordbar.

Protagonisten:

  • Roland Deschain („Der dunkle Turm“-Reihe von Stephen King)
  • Sherlock Holmes („Sherlock Holmes“-Reihe von Arthur Conan Doyle)
  • William von Baskerville („Der Name der Rose“ von Umberto Eco)
  • Mabel Stark („The Final Confession of Mabel Stark“ von Robert Hough)
  • Hermine Granger („Harry Potter“-Reihe von Joanne K. Rowling)
  • Newt Scamander (Film: „Phantastische Tierwesen“ und wo sie zu finden sind)
  • Sheldon Cooper (Serie: „The Big Bang Theory“)

Antagonisten:

  • Severus Snape („Harry Potter“-Reihe von Joanne K. Rowling)
  • Harrison Wells (Serie: „The Flash“)
  • James Moriarty („Sherlock Holmes“-Reihe von Sir Arthur Conan Doyle)
  • Francis Ackermann Jr. („Ich bin der Zorn“ von Ethan Cross)

 

Was macht diese Charaktere so besonders?

Auffällig ist, dass Harry Potter nicht ein einziges Mal genannt wurde, wohingegen Severus Snape drei oder vier Mal von verschiedenen Personen als interessantester Charakter oder Lieblingscharakter beschrieben wurde. Offensichtlich muss ein erinnerungswürdiger Charakter nicht zwingend ein Protagonist sein. Was macht Snape und die oben genannten Charaktere so einzigartig? Um das herauszufinden, habe ich mir die Eigenschaften der Charaktere angesehen und folgende Übereinstimmungen gefunden:

Protagonisten

  • sie haben ein „gutes“ Ziel vor Augen
  • sie haben nicht nur positive Eigenschaften
  • sie arbeiten hartnäckig an ihren Plänen
  • manchmal schießen sie über das Ziel hinaus
  • sie sind offen für Neues
  • sie vertrauen Anderen oder haben Helfer
  • einige sind exzentrisch

Antagonisten

  • sie haben ein größeres Ziel vor Augen
  • sie sind uneinsichtig
  • sie haben nicht nur negative Eigenschaften
  • sie können sich gut verstellen
  • sie sind narzistisch
  • der Zweck heiligt ihrer Meinung nach die Mittel

Anschließend habe ich nach Hauptcharakteren aus Büchern gesucht, die zwar nicht schlecht, jedoch auch nicht außergewöhnlich wirken. (Es handelt sich dabei natürlich nur um mein persönliches Empfinden, also nicht beleidigt sein, wenn euer Lieblingscharakter zufällig dabei ist.)

Gute, aber nicht außergewöhnliche Charaktere

  • Nick Dunmore („Erebos“ von Ursula Poznanski)
  • Komissar Van Veeteren („Der unglückliche Mörder“ von Håkan Nesser)
  • Winston Smith („1984“ von George Orwell)
  • Daniel Sempere („Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón)

Eigenschaften:

  • sie haben ein Ziel vor Augen
  • sie arbeiten hartnäckig an ihrem Plan
  • manchmal schießen sie über das Ziel hinaus
  • sie sind offen für Neues
  • sie vertrauen Anderen oder haben Helfer

Die Eigenschaften stimmen zum Teil mit den oben genannten Eigenschaften der Protagonisten Überein. Der Teil, der fehlt, könnte ausschlaggebend dafür sein, dass die Protagonisten in ihren Büchern zwar die Hauptrolle innehaben, jedoch nicht aus der Masse an Protagonisten herausstechen, die uns tagtäglich in Filmen und Büchern begegnen.

Für Antagonisten gilt Ähnliches. Sind die oben genannten Eigenschaften erfüllt, ist der Charakter erinnerungswürdig. Fehlen Eigenschaften wie zum Beispiel der Narzismus, das Verstellenkönnen oder haben sie nur negative Eigenschaften, empfinden wir die Charaktere als blass.