Ich schreibe mittlerweile schon seit ein paar Jahren Geschichten, doch erst in diesem Jahr ist es mir gelungen, einen Roman bei einem Verlag „unterzubringen“. Trotzdem konnte ich mich dazu motivieren, immer weiterzumachen.

Komisch eigentlich… oder nicht?

Es ist kein streng gehütetes Geheimnis, wie man es schafft, bei der Stange zu bleiben. Alles, was man dazu benötigt, sind (im Wesentlichen) drei Faktoren: eine positive Einstellung, eine Art Belohnung und den nötigen Druck.

Aber schön der Reihe nach.

Positive Einstellung

Hiermit sind zwei Dinge gemeint. Zum einen die Einstellung zum Schreiben selbst. Man kann keinen Erfolg haben, wenn man selbst vom eigenen Scheitern überzeugt ist (Selbsterfüllende Prophezeihung). Zum anderen geht es aber um die Stimmung, in der man sich befindet, wenn man sich an den Schreibtisch setzt.

Schreiben an sich ist eine Tätigkeit, bei der es auf kreative und überzeugende Einfälle ankommt. An diesem Punkt kann man ansetzen.

Während meines Studiums haben wir in einem Psychologiekurs für ein Experiment zwei Gruppen gebildet. Wir zeigten der ersten Gruppe eine Reihe von witzigen, kurzen Youtube-Videos und versetzten die Gruppe damit in gute Laune.

Die zweite Gruppe wurde (in einem anderen Raum) darum gebeten, sich etwas besonders Trauriges vorzustellen.

Anschließend ließen wir alle Teilnehmer in jeweils der gleichen Zeit so viele unterschiedliche Begriffe zu einem bestimmten Thema brainstormen, wie es den Probanden möglich war.

Das Ergebnis überraschte uns alle. Die Gruppe der positiv gestimmten Personen fand durchschnittlich deutlich mehr Begriffe, als die Gruppe der negativ gestimmten Personen.

Man darf also schlussfolgern, dass Kreativität und gute Laune bis zu einem gewissen Grad zusammenhängen.

Es gelingt mir nicht immer, mich in gute Laune zu versetzen, wenn ich schreiben möchte. Doch wenn ich mich unkreativ fühle und mit dem Schreiben nicht vorankomme, kann ich zumindest versuchen, durch diesen kleinen Trick meine Laune kurzzeitig zu heben, um schließlich in den Arbeitsfluss eintauchen zu können.

ACHTUNG: Nur weil man sich 3 Stunden Videos anschaut, wird die Laune nicht automatisch immer besser. 1-2 kurze Clips reichen vollkommen aus, um die Kreativität anzukurbeln.

Belohnung

Eigentlich ist es logisch und das Prinzip ist uns wohl bekannt. Wenn man eine Person belohnt, nachdem sie etwas getan hat, wird sich das Auftreten der Handlung steigern. Es handelt sich hier um klassische Konditionierung.

Warum dieses Prinzip also nicht auf sich selbst anwenden? Hierfür benötigt man ein Messinstrument wie z.B. einen Wortzähler oder einen Tätigkeitstracker. Nach getaner Arbeit checkt man, ob man sein Ziel erreicht hat und belohnt sich.

Dabei muss man darauf achten, dass die Teilziele klein genug sind, um schaffbar zu sein, jedoch groß genug, um eine Herausforderung darzustellen.

Je nach Art des Ziels kann die Belohnung unterschiedlich ausfallen. Also z.B. nach 1600 Wörtern trinke ich einen Cappu oder ich male eine Kachel in meinem Tätigkeitstracker an, gehe eine Runde spazieren oder schaue mir einen (!) kurzen Clip auf Youtube an. … Die Möglichkeiten sind endlos.

Positiver Nebeneffekt dieser Methode ist, dass man sich A) schon vor der Arbeit auf die Belohnung freut und das mit dem Schreiben in Verbindung bringt und dass man sich B) in positive Stimmung versetzt (siehe oben).

Druck

Druck ist etwas, mit dem wir oft Negatives in Verbindung bringen. Wir empfinden dann Stress und häufig spielen Versagensängste oder soziale Ängste eine besondere Rolle.

Es gibt aber auch positiven Stress, der zur Motivation beitragen kann. Diesen positiven Stress nennt man „Eustress„. Er erhöht die Aufmerksamkeit und fördert die Leistungsfähigkeit des Körpers.

Zu Eustress kommt es zum Beispiel dann, wenn man eine bestimmte Leistung erbringt und im Erreichen eines Ziels einen Glücksmoment erlebt. Kletterer erleben Eustress zum Beispiel, wenn sie wissen, dass sie gleich den Gipfel erreichen.

Wenn die Route jedoch zu einfach ist, empfinden sie dies nicht. Ist die Route zu schwierig, fühlen sie sich eher negativ gestresst. Die Versagensängste sind dann zu groß.

Es ist also eine Frage der Erreichbarkeit des Ziels, ob man positiven Druck empfindet, der einen zum Arbeiten motiviert.

Dieses Wissen kann man für sich nutzen, indem man seine großen Ziele in Teilziele aufgliedert. Nehmen wir an, dass das Ziel lautet: „Ich bin bekannter Autor/bekannte Autorin.“

Schreibe ich mir dieses Ziel auf die Fahne, fühle ich mich überfordert und gebe wahrscheinlich auf.

Daher sollte man sich ansehen, welche Dinge auf dem Weg zu dem großen Ziel eintreffen müssen, damit ich irgendwann bekannte Autorin/bekannter Autor bin.

Also z.B.:

  • Ich habe viele Bücher veröffentlicht
  • Mein Verlag macht Werbung für mich

Aber auch diese Voraussetzungen sind noch zu groß, denn um viele Bücher veröffentlicht zu haben, muss ich erstmal eines schreiben.

Also setze ich mir als geringstmögliches Ziel z. B.:

  • Ich schreibe 1600 Wörter pro Tag.

Dieses Ziel als solches baut (zumindest bei mir) jedoch noch keinen Druck auf. Dafür setze ich mir einen Zeitrahmen, in dem ich diese Vorgabe einhalten möchte. Also z.B. 8 Wochen. Dann kündige ich mein Vorgehen meiner Familie und/oder meinen Freunden an (manche Autoren kündigen es auch öffentlich an), damit ich selbst nicht kneifen kann, und lege los.

Schaffe ich es, belohne ich mich wie oben angegeben. Schaffe ich es nicht, muss ich damit leben, dass andere davon wissen, dass ich mein Ziel nicht erreicht habe. Für mich persönlich reicht das aus, um positiven Stress zu empfinden.

ÜBRIGENS: Man kann sich solche Ziele auch für alle anderen Tätigkeiten setzen, die mit dem Erstellen eines Buches zusammenhängen.

Fazit

Wenn ich das kann, könnt ihr das auch!

Setzt euch motivierende Teilziele, versetzt euch in eine positive Stimmung, baut ein wenig Druck auf, damit ihr das Gefühl habt, dass ihr anfangen müsst, und legt los. Haut in die Tasten und schreibt euer Buch.